Spielen statt lernen! Oder doch beides?

lernend spielen

Gerade lese ich ein tolles Buch von Prof. Dr. Gerald Hüther: „Rettet das Spiel!“ Gleich in der Einführung gibt er 5 Argumente für die Wichtigkeit des Spiels im Leben jedes Menschen. Bei Argument Nr. 3 geht es darum, dass nicht nur Menschen, sondern auch alle höher entwickelten Tiere spielen. Das können wir, die wir tagtäglich Umgang nicht nur mit Kindern, sondern auch mit Tieren haben, nicht nur bestätigen. Genau dies hat uns schon vor Jahren erkennen lassen, dass Lernen und Spielen einfach nicht zu trennen sind. „Das Spiel ist von Anfang an alles andere als eine nutzlose Beschäftigung zum Zeitvertreib: Es ermöglicht schon den Tieren und erst recht uns Menschen das Ausprobieren all dessen, was dem betreffenden Tier- oder Menschenkind möglich ist.“ (Prof. Dr. Gerald Hüther: Rettet das Spiel, kindle e-Book, Position 128). Im Spiel haben wir also die Möglichkeit, den Gebrauch von Armen und Beinen, Fingern, Zehen, Augen, Ohren …. ja, unseres ganzen Körpers zu erproben, Fertigkeiten zu erlernen, zu verbessern und zur Perfektion zu bringen. Das hat schon immer so funktioniert und im Tierreich funktioniert es auch heute noch so.

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Wir verlernen das Spielen

Die Krux bei der Sache ist, dass wir Menschen gerade dabei sind, das freie, kreative Spielen zu verlernen. Sie fragen sich, wie das möglich ist? Wo es doch noch nie so viel Spielzeug für unsere Kinder gegeben hat, wunderschön anzusehen, schön genormt, eingebettet in Themenwelten. Und dann das übergroße Angebot an verschiedensten Consolen, Computerspielen, Gameboys und Co – alles super animiert. Die Kinder können sich damit ja wunderbar stundenlang beschäftigen, da spielen sie doch auch, meinen Sie? Und konzentrieren sich so schön!? Das Thema ist enorm und füllt viele Bücher und Studien. Hier und heute möchte ich Ihnen nur einen relativ kleinen Aspekt sozusagen zum Nachdenken mitgeben. Nicht Computer und Co sind heute das Thema, sondern die schönen, einheitlich genormten Spielsachen, die die Kinderzimmer füllen.

Wohl gemerkt, ich bin nicht gegen die schönen Spielsachen. Auch meine Kinder hatten ausreichend Playmobil und Lego – und am glücklichsten waren sie damit, wenn die sagenhafte Themenwelt von Indiana Jones (das meiner Meinung nach überhaupt kein Kinderthema ist – aber wie soll man das den Schenkenden sagen, wenn die Kinder sich das wünschen?) irgendwann total auseinandergefallen waren und sie dann mit den Einzelteilen endlich richtig selbst bauen und spielen konnten, was ihr Herz begehrte. Und das hatte dann interessanterweise mit Indiana Jones nichts mehr zu tun. Wie gesagt, Lego ist toll!

Aber ein Problem mit all den genormten Spielsachen ist, dass die Einzelteile immer einheitliche Größen haben. So lernt das Gehirn zwar, damit an und für sich umzugehen und sich auf wenige Größen einzustellen. Die Vielfalt an Größen und Formen, wie sie durch Naturmaterialien geboten wird, bleibt ihm aber verborgen. Für Mengen- und Größenerfassung, für die Entwicklung des Raumlageempfindens, ist das ein schwerer Schlag. Und ja – das kann dann in der Schule durchaus zu Rechenproblemen führen!

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Kreativ sein dürfen beim Spielen

Und dann: Ein Playmobilpferd bleibt immer ein Pferd – nie kann daraus ein Schwein, ein Schaf, ein Mensch oder ein Baum werden. Diese Kreativität kommt erst, wenn sich ein Kind wieder mit Naturmaterialien auseinandersetzen kann. Ein Fichtenzapfen bietet dazu zum Beispiel unendliche Möglichkeiten. Und jeder Zapfen ist anders, jeder fühlt sich anders an, ist anders groß, schaut anders aus – die Finger, die Hände, der ganze Körper und besonders das Gehirn müssen sich also mit vielen, vielen Möglichkeiten auseinandersetzen, es werden viel mehr „sinnliche“ Erfahrungen gemacht und das Kind lernt dabei!!! Und es lernt, kreativ zu werden, seine Phantasie spielen zu lassen – was mit Themenspielzeug nur in sehr eingeschränktem Maß möglich ist. Sowohl die motorischen, koordinativen, als auch die Sinneserfahrungen des feien Spiels mit Naturmaterialien helfen aber dabei, das Kind reifen zu lassen und damit auch, den Schuleinstieg leichter zu bewältigen.

Mit dem Spiel- und Entwicklungspädagogischen Training nach EREL (http://lernenmitpferden.at/lehrgaenge/spielpaedagogischer-trainer-erel/ ) setzen wir genau da an – mit den Pferden, in der Natur, bekommen die Kinder eine Spielwiese für viele, viele freie Erfahrungen. Die Trainerin steht dabei dem Kind zur Seite, beobachtend, unterstützend, wo es notwendig ist – das Kind selbst merkt das nicht und kann ganz in seinem Spiel aufgehen. Da ist kein Fordern, da ist kein Fördern – da ist Spiel mit all seinen positiven Aspekten!

Und Sie selbst können Ihr Kind auch zuhause gut unterstützen: lassen Sie es im Haushalt mithelfen, vertrauen Sie ihm kleine, altersgerechte Aufgaben an, und …. gehen Sie mit Ihrem Kind in den Park oder in den Wald, geben Sie ihm viel Zeit und lassen Sie es spielen, mit allem, was es findet!